Die Villa Ida: Sitz der Medienstiftung 	und Domizil des IPJ

Das Institut für Praktische Journalismusforschung

Moderne, demokratisch organisierte Gesellschaften sind auf ein Informationssystem angewiesen, durch das die Bürger über das aktuelle Geschehen in Staat und Gesellschaft orientiert werden. Diese Orientierung stützt sich wesentlich auf die Glaubwürdigkeit der Informationen, die ihrerseits die Unabhängigkeit der Medien bedingen. Das Funktionssystem, das diese Anforderungen erfüllen soll, ist der Journalismus – jedenfalls nach Maßgabe seiner Normen und Leitbilder, die sich in den westlichen Industrieländern im Fortgang des 20. Jahrhunderts herausgebildet haben.

Allerdings ist die Funktionalität des Journalismus derzeit stark gefährdet: Die Internationalisierung der Medienproduktion, der Leistungsabbau in den Redaktionen unter dem sich verschärfende Medienwettbewerb wie auch die Anpassungsprobleme traditioneller Medien an die digitale Welt – und nicht zuletzt die Durchdringung der öffentlichen Kommunikation mit partikularen Interessen (wie: Public Relations) – führt zu erheblichen Funktionsdefiziten. Hier stellt sich die Frage: Wird der Journalismus die alten mit den neuen Medien funktionsgerecht verknüpfen können?

Es bedarf erheblicher Anstrengungen, damit der Journalismus die an ihn gestellten Erfordernisse auch in Zukunft leisten und seine für die Demokratie grundlegende Aufgabe erfüllen kann. Praktisch verwertbare Journalismusforschung – in Deutschland bislang stiefmütterlich behandelt – ist also dringlich.

Aufgabe des Instituts ist es, unter diesen Vorgaben einen Beitrag zur Qualitätssicherung des Journalismus zu leisten – Qualität nicht als Theorie oder fixe Vorstellung von »gutem« Journalismus, sondern nach Maßgabe der skizzierten Funktionserfordernisse. Unsere Definition: Je höher die Qualität, desto größer die Orientierungsleistung des Journalismus im Hinblick auf gelingende gesellschaftliche Verständigung.

Die Trägerschaft des Instituts: Der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig sowie der Sparkassenversicherung Sachsen ist es zu verdanken, dass diese vom Lehrstuhl Journalistik der Universität Leipzig entwickelte Forschungsrichtung umgesetzt werden kann. So wurde das Institut als ein Gemeinschaftsprojekt der Universität, der Medienstiftung und der Sparkassenversicherung im Frühjahr 2003 gegründet.

Träger des Instituts ist ein Verein. Sein Vorstand leitet das Institut:
Prof. Dr. Michael Haller als wissenschaftlicher Direktor,
Prof. Dr. Hans-Jörg Stiehler als stellvertretender Direktor,
Stephan Seeger, geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse, als kaufmännischer Direktor.

Das Aufgabenprofil des Instituts

Vorgehen: Das Institut erarbeitet mit wissenschaftlichen Methoden praxisrelevantes Wissen; es ist also ganz auf die journalistische Praxis ausgerichtet. Insbesondere wird es folgende Bereiche schrittweise entwickeln:

  1. Forschung zum Qualitätsmanagement im Zusammenhang von Online und Offline mit den Schwerpunkten: Zeitungsnutzung (Wahrnehmung und -rezeption), redaktionelles Qualitätsmanagement sowie Benchmarking. Forschungsziel: Steigerung der publizistischen Leistung journalistischer Medien.
  2. Begleitforschung des Trends zur Crossover-Mediennutzung, Stärkung journalistischer Kompetenz unter Einbezug der Online-Medien. Über Forschung und Lehre sollen spezifische Kompetenzen (insbesondere Internet-Recherchierverfahren, Präsentationsformen, Crossmediaproduktion) untersucht und vermittelt werden
  3. Förderung der journalistischen Ethik im Berufsalltag sowie Stärkung der journalistischen Berufsrolle im internationalen Kontext durch die vergleichende Analyse redaktioneller Sicherungssysteme und journalistischer Handlungsnormen (Profession). Die Diskussion ethikrelevanter Aspekte soll gefördert werden durch die Mitherausgabe der Internationalen Fachzeitschrift für Journalismus Message, die dem Ziel der ethikbasierten Qualitätssicherung verpflichtet und durch einen internationalen Beirat fachlich gestützt ist.
  4. Förderung der internationalen Journalismuskontakte, insbesondere zum europäischen Journalismus durch die Vergabe von Stipendien, Journalistenaustausch, Dozentenaustausch.

Die einzelnen Schwerpunkte sind auf Forschung und Lehre der Abteilung Journalistik am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig abgestimmt. Dabei sollen insbesondere im Feld der Lehre personelle Synergien genutzt und im Bereich Forschung die universitäre Grundlagenforschung mit denen der angewandten Forschung sinnvoll verkoppelt werden.

Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2009

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