
Sehen und nutzen unsere Leser die neuen Online-Hinweise? Hat der Umbau auf der Seite drei deren Lesbarkeit wirklich erhöht? Merken unsere Online-User, dass wir auf Hintergrundberichte zum Thema in der Zeitung hinweisen? Kam unserer Lokal-Aufmacher mit dem extra großen Porträtbild gut an – oder war das eher kontraproduktiv?
Solche und viele weitere Fragen der alltäglichen Blattmache können nur beantwortet werden, wenn die Mediennutzung der Leser topaktuell mit validen Methoden ermittelt wird. Was länger zurückliegt, wird meist schlecht erinnert.
Readerscan liefert zwar Anhaltspunkte, doch codieren die Leser nicht immer zuverlässig; und zudem ist das Verfahren recht kostspielig. Wie also könnte man möglichst kostengünstig wissenschaftlich hieb- und stichfeste und zugleich praktisch nutzwertige Daten gewinnen?
In Zusammenarbeit mit einer Reihe von Zeitungsverlagen hat das IPJ ein deutschlandweites Zeitungsleser-Panel aufgebaut. Zuerst wurden mit einer telefonischen Statusbefragung alle wichtigen Parameter der Mediennutzung ermittelt. Diese Daten liefern präzise Kenntnisse darüber, wie Leser und User die Angebote der verschiedenen Channels ihrer Tageszeitung nutzen und bewerten.
Im Anschluss daran wurden die Leser in das Online-Leserpanel integriert. Seither werden die Panel-Teilnehmer in sogenannten Wellen über ihr aktuelles Informations- und Mediennutzungsverhalten periodisch befragt (mindestens einmal pro Monat). Mit diesem Verfahren messen wir, ob und wie die Leser/User mit Nachrichten und Hintergrundberichten, Darstellungsformen und Formaten umgehen; der breite Medienvergleich liefert zudem Best-Practice-Fälle. Zudem geben die Daten direkt verwertbaren Aufschluss über die crossmedialen Nutzungspotenziale wie auch über Angebotsschwächen.
Zur Methode: Dieses vom IPJ entwickelte Programm arbeitet mit einer onlinegestützten Datenerhebung (Fragebogen per Email); die Auswertungen der Erhebungswellen stehen den kooperierenden Zeitungshäusern in Form aussagestarker Reports in der Folgewoche zur Verfügung.
Das Online-Leserpanel wurde im November 2009 gestartet. Derzeit umfasst es rund 900 Zeitungsleser und Web-Nutzer der kooperierenden Regionalzeitungen. Das Panel soll im Laufe des Jahres 2010 mit weiteren Partnern (bevorzugt NRW und BW) bis auf 1.200 »Panelisten« ausgebaut werden. Dadurch wird es möglich, für die ganze Gattung der Regionalpresse repräsentative Nutzungsdaten zu gewinnen.
Dokumentation:
Die Projektbeschreibung vom Oktober 2009
Ein Beitrag (PDF) über die Nutzung des Panels (erschienen in MESSAGE 1-2010).
Manuel Thomä: Overnewsed but underinformed. Welche Channels wir für welche Themen nutzen. Die begleitenden Charts zum Vortrag auf der IPJ-Konferenz »Crossover-Trends zwischen Print und Online«
Letzte Aktualisierung: 19. Februar 2010